Juli 23, 2014

CIO of the Future – Crisp CIO Event am 12.08.2014

Agenda

12. August 2014

Get Together:
ab 18:30 Uhr
Begrüßung:
19:00 Uhr
Dr. Carlo Velten, Crisp Research
Praxisvortrag:
19:10 Uhr
Dirk Brünsicke„Cloud-Anwendungen in der Praxis“
Erfahrungsbericht zur Implementierung und
Inbetriebnahme einer Webapplikation für 5 Millionen
Nutzer auf der IBM/Softlayer Cloud-Plattform
Diskussion & Drinks:
ab 20:00 Uhr (open End)
crisp - cio of the future

Crisp CIO-Event am 12.08.2014 – Cloud-Anwendungen in der Praxis

Juli 22, 2014

Studie von Crisp Research: Cloud-Transformation der dt. Softwareindustrie

Mit der aktuellen Studie „Platform-as-a-Service – Zukunft der deutschen Software-Industrie?“ liefert das unabhängige Analystenhaus Crisp Research im Auftrag von Pironet NDH repräsentative Ergebnisse zur Nutzung von Cloud Umgebungen auf Seiten deutscher ISVs. Die Befragung von 83 deutschen Softwarehäusern bildet erstmalig den Stand der strategischen Planung und den Einsatz moderner Paas-Plattformen ab.

  • Erstmals repräsentatives Bild zu den Cloud Planungen der deutschen Softwarehersteller
  • Cloud Computing ist für die deutschen Softwarehäuser mittlerweile der zentrale Wachstumstreiber
  • Für derzeit 16 Prozent der ISVs sind moderne Platform-as-service (PaaS) Umgebungen schon fester Bestandteil der Entwicklungs- und Testprozesse.
Die Studie, die im Auftrag von Pironet NDH durchgeführt wurde, bietet aktuelle empirische Befunde zum Stand der Cloud-Transformation deutscher ISVs und den Nutzungsabsichten im Bezug auf PaaS-Angebote. Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 83 deutsche Softwarehäuser verschiedener Unternehmensgrößen in Form von Online-Befragungen und Expertengesprächen zu ihrem derzeitigen Planungsstand und Einsatz im Hinblick auf die Cloud-Transformation befragt. Der Fokus der Erhebung lag hierbei auf den technologischen und strategischen Entscheidern.

Die deutsche Softwareindustrie gehört noch zu den Nachzüglern beim Cloud Computing

Das Gros der deutschen Softwarehäuser hat es bisher versäumt die eigene Strategie auf das kommende Cloud-Zeitalter anzupassen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und zum Teil auch nachvollziehbar. „So ist es für ein mittelständisches Softwarehaus ein enorm hoher Investitionsaufwand und damit verbundenes Risiko, bestehende Software neu zu entwickeln und den Marktgegebenheiten anzupassen“ kommentiert Max Hille, Analyst und Co-Autor der Studie.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, welch große tektonischen Verwerfungen, ausgelöst durch Cloud Computing, mittlerweile in der Software-Landschaft wirken. Während fast ein Viertel (24 Prozent) aller befragten Softwareunternehmen bereits über ein existierendes Cloud Business verfügen und somit auch über Umsätze in diesem Bereich, haben sich 16 Prozent noch nicht einmal mit diesem Thema beschäftigt.

Cloud als zentraler Treiber für das Neugeschäft

Druck zur Cloud-Transformation der Softwareunternehmen entsteht auch durch die eigene Kundenbasis. Etwa 60 Prozent der befragten Softwarehäuser nehmen eine verstärkte Nachfrage nach Cloud-basierten Software Services aus der Kundenseite wahr. Dies verdeutlicht auch noch einmal, dass sich die Digitalisierung der Geschäftsprozesse in den Unternehmen zunehmend beschleunigt.

Wie wichtig eine erfolgreiche Transformation für die deutschen Softwarehäuser tatsächlich ist, lässt sich an dem geplanten Neugeschäft in diesem Bereich ablesen. Fast jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) plant in den nächsten drei Jahren über 50 Prozent der Umsätze im Neugeschäft über Cloud-basierte Modelle zu realisieren.

Der Weg in die Cloud führt über PaaS

Von technologischer Seite betrachtet spielt das Thema Platform-as-a-service die zentrale Rolle bei der Transformation der ISVs. PaaS-Angebote sind heute bereits vielfach fester Bestandteil moderner Software-Entwicklungs-, Test- und Betriebsverfahren. Allerdings werden diese Angebote vorwiegend im Anglo-amerikanischen Raum und von Entwicklern genutzt, die nicht oder nur selten im Unternehmensumfeld tätig sind. Grund dafür war die bis vor kurzem limitierte Verfügbarkeit von Alternativen zu den großen Public Cloud Angeboten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Plattformen in Deutschland erst von rund 16 Prozent der ISVs genutzt werden.

„Nach einem substanziellen Reifeprozess auf Technologieseite in den letzten 24 Monaten und der Möglichkeit, die PaaS-Technologien auch in flexiblen, lokalen Betriebskonzepten zu nutzen (z.B. Hosting bei lokalem Provider oder On-Premise im eigenen RZ), werden diese nun auch für deutsche ISVs interessant“ weiß Steve Janata, Senior Analyst und Autor der Studie zu berichten.

Crisp Research_PaaS-Services

Auch beim Thema PaaS ist die Zukunft also hybrid. So zeigt die Studie auf, dass es auf lange Sicht ein Nebeneinander der verschiedenen Deployment-Modelle geben wird.

„Die Kombination aus On-Premise und Cloud ist für die deutsche Softwareindustrie die Königsdisziplin. Diejenigen, die es schaffen, eine optimale Co-Existenz beider Modelle aufzubauen, werden am Markt die Nase vorn haben“ kommentiert Steve Janata.

PIRONET NDH sieht sich in  Angebotsstrategie bestätigt

„Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, dass gehostete Cloud/PaaS-Umgebungen, wie sie Pironet NDH mit einer  technologieübergreifenden PaaS-Plattform mit deutschem Ursprungszertifikat anbietet, ein Motor für die Transformation der deutschen Softwarelandschaft sind“, freut sich Khaled Chaar, Managing Director Business Strategy und Cloud Enabling bei Pironet NDH.Die Ergebnisse der Studie unterstützen auch die Strategie derjenigen im deutschen Markt, die nicht den alleinigen Siegeszug der Public Cloud geglaubt haben.

Die gesamte Studie ist frei zugänglich unter www.business-cloud.de.

Hier stehen auch eine Infografik sowie ein Video-Interview mit Steve Janata und Khaled Chaar zum Abruf bereit.

Juli 21, 2014

Das Leben in einem besonderen Haus

deukerVor nunmehr über 8 Jahren haben wir unser Haus in Ahnatal, Ortsteil Heckershausen gekauft. Es liegt in Hecko Downtown – Mitten im alten Dorfkern. Wie wir sehr schnell feststellen mussten, handelt es sich um ein besonderes Haus. Knapp 100 Jahre war es das Haus der Dorfschullehrer. Alle noch heute in Heckershausen lebenden Bürger, die über +/- 50 Jahre alt sind, hatten das Frl. Deuker als Lehrerin. Wer über 80 Jahre alt, ist durfte noch bei ihrem Vater Unterricht genießen.  Beide haben die preußische Zucht und Ordnung tief in den Genen verwurzelt gehabt – so deuten wir das aus den uns zahlreich angetragenen Geschichten.

Das Haus war gefürchtet. Beide waren ein wichtiger Teil des Dorfes, jeder kannte sie zu ihrer Zeit. Noch heute begegnen wir Menschen, die in voller Ehrfurcht über das Frl. Deukter sprechen, andere haben die Ehrfurcht abgelegt und erzählen uns nicht so nette Stories. Als wir einzogen, mussten unsere jetzigen Nachbarn erst mal Auskunft erteilen, wer denn die Neuen seien, die da ins Dorf gezogen und in das Haus der Deukers gezogen sind. Noch immer können wir – kurz und knapp – sagen, wir wohnen im Haus vom “Deuker Lieschen” und die Heckershäuser – nicht die dazu gezogenen – wissen sofort Bescheid. So wissen die einen sofort wo wir wohnen und wir erkennen sofort ob aus Heckershausen stammend oder nicht!!!

Im Dorf gibt es auch ein “Blättchen”, das jede Woche erscheint: Kaffeekränzchen, neues aus den Vereinen, die Mitteilungen des Bürgermeisters und was sonst noch so alles wichtig ist für so ein Dorf. Am vergangenen Wochenende erzählte einer unserer Nachbarn in diesem Blättchen, wie es war in seiner Jugend. Es herrschte noch Zucht und Ordnung im Ort. Was die erste Dorfautorität sagt, wurde gemacht. Der Garten des Lehrers wurde gejätet, Medikamente während dem Schulunterricht aus dem Nachbarort geholt, die Einkäufe mussten nach Hause gebracht werden usw. Das sollte sich heute mal ein/e Lehrer/in erlauben, als Eltern tut man sich da schon mehr als schwer, den Nachwuchs dazu zu bringen.

Der Ausschnitt lohnt sich zu lesen. Am besten gefällt mir der folgende Abschnitt. Der Nachbar musste als Schüler die korrigierten Aufsätze des alten Lehrer Deukers morgens abholen und gemeinsam mit ihm zur Schule gehen: “Kurz vor der Schule kamen wir an der Ahne bei Herrn Wagner vorbei. Wenn der dann bei offener Tür auf dem Klo an der Seite seines Hauses saß, wurde erst mal über das Wetter und die Neuigkeiten im Dorf geredet und ich musste solange im Blickfeld des Lehrers warten.”

Die vollständige Durchführung der Prügelstrafe scheiterte an der hohen Anzahl an Schlägen und dem bereits weit fortgeschrittenen Alters des alten Dorflehrers. Welch gute Nachricht.

Juli 21, 2014

Konstantin Wecker in Concert

Gestern Abend war ich in Vellmar auf einem wunderbaren Konzert von Konstantin Wecker. Für mich immer wieder eine große Freude und ein noch größerer Genuss. Ich liebe seine Texte, ich mag seine Musik und ich bewundere seinen Engagement, seinen Einsatz für den Frieden. Als nicht “Linker” kann ich ihm in seinen Aussagen nicht immer voll folgen. Aber ich kann ihm sehr gut folgen bei seiner Kritik an der Wirtschaft, unseren Regierenden und bei seinem bedingungslosen Einsatz für den Frieden.

Seit gut 30 Jahren folge ich ihm nun. Das erste Mal habe ich ihn bei der 200 Jahrfeier des Englischen Garten in München gesehen Ende der 1980iger Jahre. Außerdem war ich zu dieser Zeit oft im Café Giesing, das ihm damals gehörte. Einen besonderen Abend hatte ich, als wir mit ein paar Freunden Heilig Abend nach der Bescherung – so was macht man halt als 20 jähriger – loszogen. Er spielte ein paar Lieder auf dem Klavier und setze sich dann mit an die Tische, ging rum und quatschte ein wenig.

Vor ca. 3 Jahren habe ich ihn das letzte Mal in Wolfhagen gesehen, gestern nun in Vellmar. Brühend heiß war es. Das 24 Stunden Versprechen des Deodorant Herstellers war nach nicht einmal 10 Minuten gebrochen. Und das nicht nur bei mir. Mit den Plätzen hatten wir (fast) großes Glück. Wir hatten keine nummerierten Plätze mehr bekommen und mussten uns daher selber einen suchen. Obwohl wir spät dran waren, haben wir 2 Sitze genau vor der Bühne bekommen, zwar am Rand, aber ganz vorne. Wir saßen im Rücken von Jo Barnikel. Allein das ist schon ein große Erlebnis, diesen Menschen bei seiner “Arbeit” beobachten zu können. Mit der einen Hand am Klavier, in der anderen Hand ein Blasinstrument und beiden Füßen im Tiefflug auf irgendwelchen Fußtasten. Das hat mich schon beim Zusehen überfordert. Jo Barnikel und Konstantin Wecker spielen über 20 Jahre zusammen. Wie die zwei sich beim gemeinsamen Spielen tief in die Augen schauen und über die Instrumente hinweg sich immer wieder nach vorne treiben ist irre.

Außerdem konnten wir sehr gut den Schlagzeuger, Gitarristen und Co-Sänger usw. sehen. Jens Fischer hat Wecker schon vor 15 Jahren begleitet, war dann zwischendurch in Berlin und leitete die Blue Man Group. Das sah und hört man vor allem man auch ab und an. Bei einem der letzten Lieder kippte er Wasser auf das Schlagzeug und über sein Haupt. Dann legte er los. Das spritzende Wasser schoss in die Höhe und mit den blauen Lichteffekten sah das einfach irre aus. Den mir unbekannten Gitarristen hörte man an, dass er meist mit Hubert von Goisern spielt. ein paar seiner Solis haben mich – noch bevor er vorgestellt wurde – sehr daran erinnert.

Die Musikauswahl war wieder von politisch aktiv bis hin zu schönen Liebesliedern, ja, auch die Kanzlerin hat ihr eigenes Liebeslied. Von langsam getragen, von vertonten Gedichten bis hin zu richtig fetzigen Liedern. Eines meiner Lieblingslieder wurde auch gespielt – leider ohne Pippo Pollina.

Leider gab es auch etwas sehr unschönes. Meine Frau hatte leider einen Sitznachbarn, dessen Mundhygiene mehr als zu wünschen übrig lies. Nicht schön, gar nicht schön wenn einer mit dem Atem eines Dementoren neben dir sitzt. Ausgerechnet dieser Sympatikus stürmte bei dem Lied “Sage nein” (http://youtu.be/aZtmfCJRErY) – ich denke, dass war das Lied – auf die Bühne und schwenkte eine Fahne einer aktuellen Kriegspartei herum. Für den Künstler, ein linker Friedensaktivist, der viele Widersacher hat, ein Horror. Das Lied wurde schnell beendet und Konstantin Wecker flüchtete von der Bühne, kurz darauf auch der Rest der Band. Für die meisten sah es aus, als wenn die Pause jetzt begonnen hat. Aber nicht schon nach 40 Minuten. Der Unsympathische lies sich dann von allen, die seinem Augenkontakt nicht entfliehen konnte, feiern.

Nach der Show haben wir von einem Freund, der hinter der Bühne tätig war, erfahren, dass das Konzert wegen diesem Idioten beinahe abgerochen werden sollte. Und ich kann es verstehen. Wecker hat sich dann wohl in der längeren Pause wieder gefangen und kam zurück auf die Bühne. Ein kurzer Satz – er möchte wenn dann alle Fahnen, aber nicht nur eine – und das Konzert ging weiter. Leider mussten wir um den Idioten herum uns dann anhören, dass Wecker den tieferen Sinn seiner Aktion nicht verstanden hat. Er sei schließlich aufgestanden und hat Nein gesagt.

Das Konzert endete umso schöner, denn der zweite Teil war dafür um einiges länger, er spielte wohl alle geplanten Lieder. Trotz des unschönen Zwischenspiels war es ein wunderschönes Konzert, ein toller Abend.

Juli 18, 2014

Immer wieder neu auf der Tagesordnung: Wissensmanagement, wann funktionierst du endlich mal?

Während meines Studiums in den 1990iger Jahren war eines meiner Themen “Wissensmanagement”: Wie können aus Daten Informationen werden und wie wird aus einer Information wiederum Wissen. Damals gab es die Vorstellung, dass man beliebig viel “Wissen” in Datenbanken speichern kann. Getrieben wurde diese Wunschvorstellung durch die in dieser Zeit neu aufkommenden Technologien: das Internet, vernetztes Arbeiten in Datenbanken, E-Mail, Office-Pakete (sprich: Weg von der Schreibmaschine) usw. Umfangreiche und sehr komplexe Anwendungen wurden entwickelt. Man war von der Idee getrieben, dass das in den Köpfen und den in den Papierstapeln vorhandenes Wissen nur genügend Platz und Raum auf den Server erhält, um darin abgespeichert zu werden. Endloslange Taxonomien – sprich Auswahllisten über mehrere Seiten – wurden entwickelt, denn das Wissen musste ja wieder aufgefunden werden. Und was nicht in Taxonomien gepasst hat, steckte man in eine wie auch immer geartete Ordnerstruktur. Felder wurden bis zum Abwinken definiert, damit aber auch wirklich jede noch so kleine Information seinen Platz finden kann. Arbeitsgruppen wurden gebildet, neue Server mit den damals noch relativ teuren Festplatten wurden angeschafft. Neue Workflows und Prozesse wurden eingeführt, damit aber auch wirklich jede/r im Unternehmen nicht vergisst, diese in Zukunft wertvollen Datenbanken vollständig auszufüllen.

Technik: Neu, noch nicht ausgereift, falsch eingesetzt

imageDas Ergebnis war und ist weiterhin sehr ernüchternd. Natürlich haben wir heute so viele Informationen wie noch nie zuvor. Im Prinzip kann heute alles im Internet nachgeschlagen werden. Aber was ist mit dem Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter. Da sieht es doch noch immer sehr traurig aus. Fast jeder Nicht-Blue-Worker in einem Unternehmen haben Zugriff auf einen PC, ein Notebook oder ein Smartphone. Aber werden diesen Dateneingabegeräte genutzt, um das persönliche Wissen anderen im Unternehmen als Informationen zur Verfügung zu stellen?

imageLeider nein. Noch immer wird das mögliche Potential nicht ausgenutzt. Seit über 20 Jahren ist das größte Wissensmanagementsystem, Kommunikationsallheilmittel und Dokumentenmanagementplattform die E-Mail. Natürlich nur für das persönliche Wissensmanagement. Alternativ sind Fileserver nach wie vor groß im Rennen. Beides sind jedoch Systeme, die einen Aufbau von gemeinsamen Wissensdatenbanken verhindern. Auf eine Mailbox darf entweder nicht von jemanden anderes zugegriffen werden oder, falls doch, können die KollegInnen mit der Struktur nichts anfangen. Fileserver sind in ihrer Struktur statisch, fördern das doppelte Ablegen von Dateien und die darin abgespeicherten Inhalten sind nur sehr aufwendig wiederverwendbar.

Nicht die Technik ist das Hauptproblem!

Vor 20 Jahren war die Erkenntnis vielleicht noch nicht so weit, dass Wissensmanagement auch, aber nicht nur ein technisches Problem ist. Heute weiß man es, bzw. sollte man es besser wissen: Werkzeuge sind nicht das tatsächliche Problem beim Wissensmanagement.

Die beste Technik nützt nichts, wenn die Barrieren für jeden einzelnen zu hoch sind. Unser tägliches Arbeiten und Miteinander ist – überspitzt, aber leider häufig anzutreffen – geprägt durch unendlich viele Regeln, das Misstrauen untereinander, die Unkenntnis über Notwendigkeiten, fehlende Einsichten und Qualifizierung, verkrusteten Hierarchien, betoniertes Denken und vieles mehr.

Einiges davon ist menschlich und kommt immer wieder vor. Aber daran kann man –  wenn man möchte – arbeiten, um dem Ziel eines freien Austauschs von Wissen näher zu kommen. Das meiste davon ist aber leider gewollt. Barrieren gibt es in vielen Arten und Ausprägungen. Immer wieder stößt man auf Aussagen wie “Bevor das gemacht wird, muss aber erst …” und dann folgt eine Kette von Aufzählungen:

  • erst dies und das erfüllt sein!
  • der und die informiert werden!
  • dieser und jene seinen Segen geben! 
  • der X und die Y man in den Glauben versetzt werden, es erfunden zu haben?

Grundsätzlich ist an dieser Aufzählung nichts verwerfliches. Natürlich gibt es Dinge, die müssen erfüllt werden, damit etwas passiert. Selbstverständlich sollen, wollen und müssen Kollegen, Kunden oder wer auch immer informiert werden  – viel schlimmer ist, dass man sich häufig keine Gedanken darüber macht, die richtigen(!) Personen zu informieren. Der Segen der entsprechenden Personen ist natürlich auch notwendig. Auch wenn man es häufig mit großer Verwunderung beobachten und erleben kann, dass erwachsene Menschen, die eine Ausbildung und Berufserfahrung haben, zuhause Kinder erziehen und ein Haus gebaut haben, in Unternehmen auf ein Mindestmaß an Entscheidungsfreiheit heruntergestutzt werden. Nur den letzte Punkt könnten wir bald möglichst abschaffen.

Das Problem an dieser Aufzählung und damit auch zum Problem für das gelebte Wissensmanagement im Unternehmen ist, dass diese Punkte oftmals gegen jegliche Vernunft und Logik Stand halten und Geltung haben, ob sie Sinn machen oder nicht. Die Folge ist der schnellen Tod des teuer eingeführten Wissensmanagementsystem. Der persönliche Wissenstransfer wird nicht mehr gepflegt wird und somit das gemeinsame vorankommen erschwert  oder gar unmöglich wird.

Wie gibt man Wissen weiter?

Wissen gibt man nur von sich, wenn man es persönlich möchte, wenn man sich wohlfühlt, man der Umgebung vertraut und auch einen wie auch immer gearteten persönlichen Vorteil sieht. Natürlich antwortet man auf gestellte Fragen, aber wenn man sich unwohl fühlt, dann nur das Notwendigste. Wenn man der Person gegenüber nicht vertraut, dann kann die Wahrheit sehr dehnbar werden. So ist es auch mit den Anwendungen, die wir nutzen: Nur wenn die Anwender keine Barrieren jeglicher Art haben, wenn sie wissen, was sie tun und wenn sie vertrauen zum ganzen System – Software, Unternehmen, Kollegen usw. – haben, werden sie aus eigenem Antrieb heraus ihr Wissen weitergeben.

Es hat sich vieles verändert. Trotzdem ist unsere (Arbeits-)Umwelt in vielen Fällen noch immer nicht so, dass man sein persönliches Wissen gerne weiter gibt. Somit werden wir uns alle  paar Jahre wieder mit der Fragen auseinandersetzen müssen: Wie wird Wissen erfolgreich –  auf technische und nicht-technische Art – im Unternehmen weitergegeben?

Siehe auch Harald Schirmer: Lebendiges Wissen vs. Wissensmanagement

Dieser Post entstand in Zusammenarbeit mit dem HP Business Value Exchange Blog.

Juli 17, 2014

Kommentar zur Partnerschaft von IBM und Apple

Steve Janata von Crisp Research und seine Meinung zu der mit einem Paukenschlag verkündeten neuen Partnerschaft von Apple und IBM.

Die Kurzfassung lautet:

  •    Apple: Pragmatismus schlägt Stolz
  •    IBM: Strategisch klug
  •    Microsoft: Nur scheinbarer Verlierer
  •    Google: Der eigentliche Verlierer
  • —————————————————-
  •    Fazit: Gut für den Anwender

zum Artikel: Apple goes Enterprise: Auf Hochmut folgt Realitätssinn

Ich sehe es genauso wie Steve es im Artikel geschrieben hat. Auch wenn es für viele im ersten Moment sehr merkwürdig vor kam, das sich Microsoft Nokia einverleibte, war es ein kluger Schachzug. Microsoft ist sowohl im Consumer wie auch im Business Umfeld mit seiner Produktpalette sehr gut aufgestellt. Sie bieten für alle wichtigen Bereiche eigene, miteinander verknüpfbare Produkte an: Cloud, Server und Datenbanken, Identity Management, Applikationsentwicklung, Anwendersoftware für das Büro und zuhause, Spielekonsolen (ein nicht zu unterschätzender Markt für zukünftige Generationen) und eigene mobile Kommunikationsgeräte und –systeme.

IBM hat sich aus dem Endkundengeschäft im Consumerbereich komplett verabschiedet und auch bei ihren Produkten haben sie nur in wenigen, vergleichsweise kleinen Bereichen direkten Kontakt mit den Anwendern. Nun haben sie sich mit Apple einen starken Partner geholt. Wie immer bei Partnerschaften dieser Art, kann man sehr gespannt sein, ob es über Lippenbekenntnisse hinaus geht und wie die tatsächliche Umsetzung mit Leben gefüllt wird.

Ein kleine Frage hätte ich da noch: Wird IBM in Zukunft auf den Folien mit der Überschrift “Mobile First” ein kleines (*) schreiben.

(*) und zwar in der Reihenfolge: Apple sofort, Android bei großen Kunden zeitnah und später für alle (bitte beachten Sie die unterstützten Versionen), Blackberry, ach herje das haben wir jetzt total vergessen und Microsoft erst, wenn es soweit ist.

Juli 11, 2014

Veranstaltung: CIO of the Future (12. August 2014)

Wer am 12. August 2014 Zeit hat und in der Nähe von Kassel ist, den würden wir gerne zu unserer Veranstaltung “CIO of the Future” einladen. (Anmeldung über Xing oder auf Crisp-Research.)

In Unternehmen findet gerade eine Wachablösung statt: Die, die sich ihre ersten Sporen noch auf Großrechnern verdient haben, treten so langsam in den Ruhestand. Dafür kommt eine Generation auf die Chefposten, die bereits in ihre Ausbildung an Schule und Hochschule mit dem Internet als Informationsquelle und als Kommunikationskanal gearbeitet haben.

Diesen Wechsel wollen wir begleiten mit dem Start einer Vortragsreihe mit dem Titel “CIO of the Future”. 

Diese neue Generation hat sich oftmals noch mit vielen Altlasten herumzuplagen, anderseits stehen ihnen ganz neue Technologien zur Verfügung, die den CIOs in vielen Bereichen ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen.

Beginnen werden wir mit Dirk Brünsicke – ein erfahrener Software-Entwickler und IT-Architekt.

„Cloud-Anwendungen in der Praxis“
Erfahrungsbericht zur Implementierung und Inbetriebnahme einer Webapplikation für 5 Millionen Nutzer auf der IBM/Softlayer Cloud-Plattform

Wir – das Team von Crisp Research – würden uns freuen, Dich/Sie hier bei uns begrüßen zu dürfen.

Juli 3, 2014

Dr. Thomas Zeizel: Neue Aufgabe bei der IBM Collaboration Solutions

IBMs ICS Transformation in die neue Welt

Was waren das noch für schöne Zeiten: IBM hat gesagt, wir machen das jetzt so und alle anderen machten das dann auch so. Wie das immer so ist: Rückblickend war vieles einfacher, schöner und oft behauptet besser. Man musste sich nicht mit unzähligen Technologien beschäftigen, die IT fand in den eigenen vier Wänden statt, die Innovationszyklen waren länger und planbarer und es gab wenige Quellen, an denen man aktuelle Informationen bekommen hat.

Das ist schon sehr lange her und seitdem ist viel passiert: Informationstechnologien jeglicher Art durchdringen unser Leben an allen Ecken und Enden. Die IT findet schon lange nicht mehr nur an einem Ort statt, sondern verteilt sich über den ganzen Globus. Fast täglich muss man sich entscheiden, ob die neueste Ankündigung relevant ist und Informationsquellen gibt es wie Sand am Meer.


Die (Haus-)Aufgaben für IBM Collaboration Solutions: Social Business erfordert ein neues Denken und Handeln!

  • Kunden, Business Partner und die eigene Organisation noch intensiver mit auf die neue Reise nehmen!
  • Design Thinking – Von der Entwicklung über Vertrieb & Services bis hin zu Business Partnern und Kunden etablieren!
  • Es gibt Erfolge? Dann erzählt sie! Zeigt sie!
  • Schneidet endlich die alten Zöpfe ab!
  • Beobachtet nicht nur die anderen großen „Tanker“ am Markt, schaut auch auf die schicken „Sportboote“!

Beim großen Tanker IBM war man sich als Außenstehender in den vergangenen Jahren oftmals nicht sicher, ob die vielen Kapitäne an Bord immer genügend Um- bzw. Weitsicht und auch die Ausdauer hatten, um die vielen Veränderungen tatsächlich wahrzunehmen und darauf auch zu regieren. Man vermisste oftmals die Erkenntnis, dass mit den neuen Herausforderungen in dieser sich stark verändernden Umwelt auch neue Antworten gegeben werden müssen. Keine Frage, es ist viel passiert bei der IBM. Trotzdem – blickt man die letzten Jahre zurück – hatte man nicht immer den Eindruck, dass entsprechend gehandelt wurde. Viele IBM Collaboration Solutions hinterließen den Eindruck einer Denkweise aus den 1990iger Jahren.

Neue Lösungen, neue Personen & neue Ideen

Spricht man jedoch mit dem neuen Chef der IBM Collaboration Solutions (ICS) Dr. Thomas Zeizel und schaut man sich dazu noch die aktuellen Produktankündigungen (Mail Next) bzw. –vorstellungen (Connections 5) an, dann kann man die ersten kleineren, aber auch größeren Schritte der IBM nach vorne erkennen. IBM geht einen neuen Weg, ihre Services und Produkte attraktiver zu entwickeln und anzubieten.

Es wird Zeit für diesen neuen Weg, der aber nicht einfach sein wird und sicherlich seine Zeit braucht und nur über viel Kommunikation mit Kunden und Partner erfolgreich gegangen werden kann. Aber auch in der IBM muss sich dieser neue Weg noch stärker abbilden, von allen getragen werden.

Der Spagat zwischen bewahren und erneuern

Wie kaum ein anderer IT Hersteller steht die IBM dafür, dass ihre Produkte langfristig in Unternehmen eingesetzt werden können. Man nehme nur das Beispiel IBM Notes/Domino. Über 25 Jahre gibt es diese Plattform nun. In vielen Unternehmen gibt es Notes-Applikationen, die 10-15 Jahre alt sind und noch immer ihre guten Dienste leisten. Welche Plattformen bieten diese große Vielfalt an Anwendungs- und Integrationsmöglichkeiten wie der Domino-Server oder Connections? Auf der anderen Seite ist vieles mehr als altbacken, wie der Fat-(Fat-)(Fat-)Client Notes oder aber auch das aus dem letzten Jahrhundert stammende Layout vieler Notes-Entwicklungen. Zudem sind viele Anwendungen funktional hoffnungslos überfrachtet. Die Usability ist dabei auf der Strecke geblieben.

Nun muss man die IBM ein wenig in Schutz nehmen. Nicht nur der Hersteller hat eine gewisse Behäbigkeit, sondern auch viele seiner Kunden und Business Partner. Während die meisten Anwender und Entwickler im privaten Bereich wie selbstverständlich mit WhatsApp und Facebook hantieren und sich über cool designte Produkte erfreuen, verzichten viele im Unternehmen und bei der Entwicklung neuer Anwendungen auf diese Trends und bewahren sich ihre über Jahre liebgewonnene Arbeitsumgebung. Nach den ersten Präsentationen von „Mail Next“ mit seinem komplett neuen Design Ansatz kamen viele Kommentare auf, die von diesem neumodischen Schnick-Schnack nicht begeistert waren.

Wie geht es weiter?

Mail Next wird ein großer, revolutionärer Schritt sein. Wenn es denn so kommt, wie es auf den Folien bisher dargestellt wird. Das Userinterface bricht mit allem was man bisher als Anwender und Entwickler von der IBM kannte. Endlich! Dazu werden im Hintergrund sehr viele analytischen Verfahren eingesetzt werden, um die Masse an Informationen besser bewältigen zu können: „Wozu sich bereits heute mit einer E-Mail auseinandersetzen, deren Relevanz erst in drei Wochen von Bedeutung sein wird?“ Auch hier wird man auf die konkrete Umsetzung warten müssen; aber es wird anders – und in diesem Fall hoffentlich auch – besser werden.

 

IBM Tanker

 

IBM hat bei der Entwicklung seine bisherigen Pfade verlassen und sich an die Generation Y herangetraut und diese mit in den Entwicklungsprozess mit eingebunden – ein Novum in der Entwicklungsgeschichte der IBM. Die neu entstehenden Design Thinking Zentren (From features-first to user-first) spiegeln diese Veränderungen auch ganz greifbar in Teilen der Organisation wider.

Auf diese Reise muss die IBM ihre Kunden und Partner mitnehmen. IBM muss es schaffen, ihre bestehenden Communities von der neuen Denk- und Handlungsweise zu überzeugen. Das wird kein Selbstläufer. Erfolge werden sich nicht in kurzfristigen Quartalsergebnissen zeigen.

Wenige große Tanker, dafür viele kleine Sportboote

Dieser revolutionäre Schritt bei der Entwicklung neuer Produkte ist zwingend notwendig. Vergleicht man die aktuelle Situation im Social Collaboration Markt – Crisp Research führt aktuell ein Product Review einer Vielzahl an Lösungen durch – gibt es dort die großen Konkurrenten Microsoft und Jive. Mit Microsoft verhält es sich wie zwischen VW und Toyota in der Automobilbranche: Mal ist der eine vorne, mal holt der andere auf. Microsoft befindet sich in einer ähnlichen Situation wie die IBM: Wie wird der Dampfer flott für die Zukunft gemacht? Jive auf der anderen Seite hat gerade die Nähe zu einem großen Partner (Cisco) gesucht und wird sich dort neu aufstellen.

Daneben gibt es jedoch sehr viele IT-Unternehmen, die interessante, moderne und attraktive Lösungen entwickelt haben. Vor allem im User Design sind diese oftmals innovativer und benutzerfreundlicher. Die Anwender arbeiten mit einer Oberfläche, die wie aus einem Guss zu bedienen ist. Davon ist IBM Connections noch ein ganzes Stück von entfernt. Man erkennt zwar, dass die IBM mächtige, funktional umfangreiche und für den Unternehmenseinsatz variable Lösungen hat, diese aber nur schwer zu einem neuen Produkt nahtlos zusammenfügen kann.

Die Cloud stärkt vor allem die kleinen Anbieter

IBM hat vor Jahren den Social Collaboration Markt als einer der Ersten betreten und diesen stark beeinflusst und entwickelt. Nun kommen aber immer mehr Anbieter in diesem Segment auf den Markt. Derzeit sind im weltweiten Markt über 100 (!) Anbieter von Enterprise Collaboration Lösungen aktiv.

In einer Welt der Cloud-Lösungen spielt es in Zukunft keine große Rolle mehr, ob die Software für kleine oder große Infrastrukturen ausgelegt ist. Gab es in der Vergangenheit häufig Einschränkungen bei der Skalierbarkeit durch die Software, entfällt dieser Punkt weitestgehend in der Cloud.

An dieser Stelle kann IBM noch mit der Funktionalität und der Integrationsfähigkeit in die Unternehmensprozesse punkten. Aber wie lange noch?

In der Vergangenheit waren die Entwicklungszyklen durch die Installation beim Kunden vor Ort sehr langwierig und aufwendig. In der Cloud können die Hersteller ihr Portfolio kontinuierlich nach und nach ausbauen. Funktionalitäten, die nicht durch eine Eigenentwicklung realisiert werden können, sind über APIs aus anderen Systemen erreichbar. Bei der Nutzung von Online-Speicher wird diese Integration häufig praktiziert, aber im Prinzip sind alle möglichen Konstellationen denkbar: Videokonferenzen, Billingsysteme, usw.

Cloud First – OK! OnPremise gehört trotzdem aufgeräumt!

Alte Zöpfe müssen behutsam, aber sie müssen abgeschnitten werden. „Fat“ ist uncool. Sowohl beim Client – der Notes-Client gehört hoffentlich bald der Vergangenheit an – wie auch bei der Backend-Administration. Große, leistungsfähige Systeme sind komplex und aufwendig, keine Frage. Aber soll OnPremise auch in Zukunft eine Rolle spielen, dann muss das Stückwerk für die Administratoren wieder administrierbar gemacht werden. Diese Art der aktuellen Softwarebereitstellung macht kurzfristig einige wenige Partner glücklich, aber langfristig werden Anwender nicht mehr bereit sein die großen Aufwände für Wartung und Updates zu tragen. Ob diese dann in die IBM Cloud Angebote wechseln werden ist die Frage.

Der Tanker fährt, er bewegt sich? Wo geht es hin?

Thomas Zeizel betont, dass die Business Partner auch in dieser sich verändernden IT-Welt für die IBM ein wichtiger Baustein bleiben werden. Das ist eine wichtige Aussage, die die Partner – aber natürlich auch die Kunden – gerne hören werden. Denn viele Kunden arbeiten seit Jahren mit ihren Business Partnern vertrauensvoll und intensiv zusammen. Aber die IBM muss sich auch noch mehr der Verantwortung stellen und die großen und die kleinen Partner mit auf diese Reise zu nehmen.

Der Schritt zum „neuen Denken“ muss noch intensiver und stärker nach außen kommuniziert werden. Das wird eine schwere Aufgabe werden und IBM muss dabei einen langen Atem beweisen. Aber es muss passieren, denn es haben sich viele Spielregeln verändert und sie werden sich noch weiter verändern. Die neuen Impulse müssen weiter getragen werden – eine große, intensive aber auch sehr spannende Aufgabe für Dr. Thomas Zeizel und sein Team.

Juli 2, 2014

Ist es an der Zeit die IT-Mitarbeiter für den Wandel zu qualifizieren?

Wann erkennt man eigentlich, ob etwas „Neues“ tatsächlich zu Veränderungen geführt hat oder ob das sogenannte „Neue“ nur ein kurzer Hype war. War es nur ein kurzer Hype, kann alles so bleiben wie es ist. Wer verändert schon gerne etwas, wenn alles gerade so gut läuft. Ist der Hype allerdings kein Hype, sondern eine Ereignis, das tatsächlich etwas verändert – Was dann?

MaschinenfabrikEigentlich konnte man annehmen, dass das Thema „Cloud“ mit der laufenden Diskussion um permanente Spionage ein jähes Ende nehmen wird. Blickt man auf die vergangenen 12 Monate zurück, gab es zwar viel Aufregung um Spionage, aber das Thema „Cloud“ ist geblieben. Im Gegenteil, immer mehr große Cloud-Rechenzentren werden gebaut, die eine immer stärker anwachsende Stellfläche für Computer bereitstellen. Die Datenleitungen zwischen den Rechenzentren werden immer leistungsfähiger, so dass die Daten annähernd beliebig zwischen den Standorten hin und her transferiert werden können. Dazu die immer größer werdende Anzahl an Hard- und Software, die die Cloud-Dienste ermöglichen sowie die vielen Angebote unzähliger Software-Hersteller, die ihr Lösungen in der Cloud anbieten.

Hype oder Blase?

Das sieht nach mehr als nur einem Hype aus. Es ist der Anfang einer größer werdenden Entwicklung, die die IT Service Abteilungen zum Nachdenken anregen sollte. Denn eine der ursprünglichen Hauptaufgaben, in einem gesicherten Serverraum Hard- und Software für das Unternehmen bereitzustellen, wird in naher Zukunft wegfallen. Spätestens wenn die Cloud-Anbieter glaubhaft nachweisen können, dass ihre Services sicher sind, wird es kaum noch Argumente für Entscheider in Unternehmen geben, nicht in die Cloud zu gehen.

Spricht man mit den CIOs kleinerer bzw. mittelständischer Unternehmen, dann wird entweder sofort abgewiegelt oder das Unternehmen ist bereits auf den Zug aufgesprungen. Die Unternehmen, die bereits den Umzug in die Cloud vollzogen haben oder gerade dabei sind, haben für sich eine klare Kalkulation aufgemacht: Wie groß ist der Aufwand, die Datenhaltung und die Rechenleistung selber vorzuhalten und was kostet dieser Aufwand bei einem Cloud-Dienstleister?

Bei den Unternehmen, die diesen Schritt noch nicht gegangen sind, gibt es sehr viele Argumente, die den Umzug in die Cloud kategorisch ablehnen – meist kommen diese aus den von den Veränderungen betroffenen IT-Abteilungen. Ganz vorne bei der Argumentation steht natürlich in jeglicher Form die Sicherheit der Daten. Das ist spätestens dann ein sehr schwammiges Argument, wenn die Daten außerhalb des eigenen Netzwerkes den Mitarbeitern zu Hause oder mobil zur Verfügung gestellt werden. Anschließend folgen Argumente, dass das eigene Unternehmen aus kulturellen oder politischen Gründen nicht in die Cloud, niemand soviel Ahnung hat, wie man selbst und außerdem die Services deutlich schlechter sind. Mag alles im Einzelfall zutreffen, ist aber nur die subjektiv geprägte halbe Wahrheit.

Wer hat tatsächlich einen objektiven Blick auf die Entwicklungen?

Natürlich fallen die Antworten in dieser Form aus. Warum sollte sich ein über Jahrzehnte gewachsenes Rechenzentrum sich seiner ursprünglichsten Aufgabe selbst entledigen. Über 20-30 Jahre war es die Aufgabe der unternehmenseigenen Rechenzentren, Hardware anzuschaffen, diese aufzustellen und zu betreiben. Obendrauf wurde dann die Software für die verschiedenen betrieblichen Anforderungen installiert, konfiguriert und angepasst. Man war ausreichend beschäftigt mit dem Einspielen von Updates, Bugfixes und dem beheben von großen und kleinen IT Problemen. Gab es eine neue Client Version konnte man sich über einen langen Zeitraum sehr intensiv mit dem Roll-Out beschäftigen.

Vieles davon wird in naher Zukunft entfallen! Die Hard- und Software wird nicht mehr in den eigenen vier Wänden betrieben. Aktualisierungen werden im laufenden Betrieb durch den Hersteller oder einem entsprechenden Dienstleister in kurzen Zeitabständen transparent eingespielt. Fat-Clienst sind am verschwinden und immer mehr Anwendungen haben ein Browser-basierte Benutzerfront-End. Diese Liste lässt sich noch um viele Punkte ergänzen.

Diese Entwicklung hat gravierende Auswirkungen auf die zukünftige Ausrichtung der IT-Abteilung sowie der Aufgaben und die Qualifizierung der Mitarbeiter. Um sich dieser Auswirkungen klar zu werden, muss im ersten Schritt – soweit möglich objektiv und neutral – geprüft werden, welche Services tatsächlich nicht aus dem Haus gegeben werden können oder dürfen. Im zweiten Schritt wird sich das Unternehmen über die zukünftigen Serviceangebote ihrer IT-Abteilung Gedanken machen müssen.

Wer dem Wandel passiv entgegnet, wird sich verschlechtern!

Für viele bedeutet – aus einer meist sehr subjektiven Sicht – dieser Wandel eine deutliche Verschlechterung ihrer jetzigen Situation. Eine große, oftmals vernachlässigte Aufgabe gibt es bei der intensiveren Beratung der Fachabteilungen. Viele Ressourcen waren bisher in der IT-geprägten Administration gebunden. Die IT hat sich um die IT gesorgt. Wenn nun aber eine der Kernkomponenten der IT wegfällt, kann der Fokus wieder auf eine engere Anbindung an die Fachabteilungen gelegt werden. So werden sich immer mehr neue Aufgaben ergeben, ein kompletter Wegfall der eigenen Unternehmens-IT wird es nicht geben.

Der Wandel und die Neuausrichtung für die IT Abteilungen wird kommen. Unternehmen werde sich in naher Zukunft nicht dem Thema Cloud entziehen können. Dafür werden die angebotenen Services immer besser und vor allem kostengünstiger. Aber wie bei jedem Wandel gilt auch hier der Leitsatz:

Wandel muss gestaltet werden.

Neue Aufgaben werden sich entwickeln und dadurch entstehen neue Chancen und Herausforderungen für die IT und ihre Mitarbeiter.

Hierfür werden jedoch neue Qualifikationen benötigt. CIOs werden sich bereits zu Beginn ihrer Reise in die Cloud damit auseinander setzen müssen, wie sie ihre Mitarbeiter neu oder weiter qualifizieren. Sie werden klären müssen, welche neue Aufgaben und Rollen ihre Abteilungen im Unternehmen in der Zukunft übernehmen. Die Angebote der eigenen IT werden sich deutlich verändern.

Spätestens nach den ersten Test-Ballons in der Cloud heißt es für die Verantwortlichen im Unternehmen:

  • Welche Services bietet die eigene IT in Zukunft an?
  • Welche Qualifizierungsmaßnahmen müssen durchgeführt werden, um die Mitarbeiter auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten?
  • Wie erfolgt wieder eine engere Verzahnung zwischen den Fachabteilungen und der IT?

Die Zeit des Rechenzentrums-geprägten IT Verwalters geht zu Ende. Ein von den Hardware-bedingten Altlasten befreiter IT Gestalter hat die Chance wieder näher am Business gemeinsam mit den Fachabteilungen an den Zielen des Unternehmens zu arbeiten.

Dieser Post entstand in Zusammenarbeit mit dem HP Business Value Exchange Blog.